Gottesdienste wie in den Vermeldungen! Es ist nicht mehr notwendig die Meldebögen ausgefüllt.

Die Katholische Pfarrei St. Mathilde Quedlinburg

Anregungen und Ideen

Einleitung zum 2. Adventssonntag 2021

von Beate Degenhardt

Predigt zum 2. Advent 2021

von Pfarrer Winfried Runge

Liebe Gemeinde,
in gebotener Kürze ein Gedanke für den 2. Advent:
„Jerusalem, leg dein Gewand der Trauer ab, bekleide
dich mit dem Schmuck der Herrlichkeit“

Dieses Wort könnte ein Weckruf sein – eine sogenannte
paradoxe Intervention. Was meint dieser Begriff?:
Bei dem berühmten Logotherapeuten Viktor Emmanuel
Frankl ist dies eine therapeutische Methode, in der der
Klient dazu angeleitet wird, eine neurotische
Verhaltensweise mit dem Ziel ihrer Überwindung
absichtlich auszuüben. Mittels dieser Technik lässt sich
nach Frankl der Teufelskreis der Erwartungsangst, also
der Angst vor der Angst durchbrechen. Einfach gesagt,
der Klient wünscht sich das, wovor er Angst hat, er wird
bewusst damit konfrontiert, anstatt ihr auszuweichen...
Oder, ein anderes Beispiel von Paul Watzlavik: "Der
unter den dauernden Selbstmorddrohungen seiner Frau
stehende Ehemann wird ihr und damit der Ehe
wirksamer dadurch helfen, wenn er sachlich und in allen
Einzelheiten sich nach ihren Wünschen für ihr Begräbnis
erkundigt, als wenn er ihre Depression durch seine
Panik erhöht."
Im Kern geht es darum, etwas Negatives zu
durchbrechen, indem man etwas tut, was den
Erwartungen scheinbar widerspricht.
In unserer momentanen Situation wäre dies z.B.: anstatt
sich jeden Abend mit einem großen Zeitbudget die
Berichte von volllaufenden Intensivstationen anzusehen
und sich damit möglicherweise in eine Spirale der Angst
zu verlieren werden wir aufgefordert, etwas völlig
anderes zu tun, was scheinbar völlig unangemessen ist.
Ich möchte an dieser Stelle betonen, es geht mir nicht
darum, die Realität zu verdrängen und ich bin auch
dafür, sich über das, was geschieht verantwortlich zu
informieren und das Zeitgeschehen im Blick zu behalten,
aber der 2. Advent lädt uns bewusst dazu ein, anders
mit der Realität umzugehen.
„Jerusalem, leg dein Gewand der Trauer ab, bekleide
dich mit dem Schmuck der Herrlichkeit“.
Diese Worte richtet der Prophet an Jerusalem,
symbolisch gefasst im Bild der verlassenen Witwe, der
die Kinder geraubt wurden – das Volk wurde in die
Verbannung nach Babylon geführt. Es ist nicht die
Situation, dass das Volk heimgekehrt sei und es deshalb
einen Grund zu einem Freudenfast gäbe. Nein, inmitten
der Verlassenheit und des Elends, mitten hinein in die
andauernde Katastrophe ruft der Prophet der Stadt zu,
sich nicht dem Selbstmitleid hinzugeben, zu klagen und
zu weinen sondern sich aufzurichten und sich äußerlich
sichtbar vorzubereiten auf das, was Gott tun wird –
dabei steht wieder eine Verheißung im Hintergrund,
nämlich die, die sich gleich an den Lesungstext, den wir
heute gehört haben, anschließt: Gott wird sein Volk
wieder heimführen – auch wenn zu diesem Zeitpunkt
keiner sagen kann, wann und wie das sein wird!
5 Steh auf, Jerusalem, und steig auf die Höhe! Schau
nach Osten und sieh deine Kinder: Vom Untergang der
Sonne bis zum Aufgang hat das Wort des Heiligen sie
gesammelt. Sie freuen sich, dass Gott an sie gedacht
hat. 6 Denn zu Fuß zogen sie fort von dir, /
weggetrieben von Feinden; Gott aber bringt sie heim zu
dir, / ehrenvoll getragen wie in einer königlichen Sänfte.
7 Denn Gott hat befohlen: Senken sollen sich alle hohen
Berge und die ewigen Hügel und heben sollen sich die
Täler zu ebenem Land, sodass Israel unter der
Herrlichkeit Gottes sicher dahinziehen kann. 8 Wälder
und duftende Bäume aller Art spenden Israel Schatten
auf Gottes Geheiß. 9 Denn Gott führt Israel heim in
Freude, im Licht seiner Herrlichkeit;

Was könnte das für uns am heutigen Sonntag und in der
kommenden Woche bedeuten? – Trauergewänder
ablegen, obwohl rings um uns her Trauer ist – sich
aufrichten, obwohl rings um uns her viele gebeugt und
gebrochen sind – sich von Hoffnung und Zuversicht
erfüllen lassen, obwohl viele rings um uns her von Angst
vor der neuen Omikronvariante erfüllt sind – in
Erwartung dessen, dass Gott handeln wird, und dass es
eine Zeit geben wird, wo wir wieder als Menschen ohne
Einschränkungen und ohne Angst leben werden...

Es gibt nicht nur ein Thema: Corona. Es gibt so viel
mehr, was unser Leben erfüllt und gerade in diesen
Tagen erfüllen möchte. Das ist keine Verdrängung der
Realität sondern eine Art paradoxer Intervention. Die
Bräuche des Advent helfen uns dabei. Schmückt eure
Häuser mit all dem, was in den Advent hineingehört –
mit Adventskranz und grünen Zweigen, mit
Barbarazweigen, mit den Lichterbögen in den Fenstern,
den leuchtenden Sternen an den Häusern – holt eure
Instrumente heraus, singt und spielt adventliche Lieder
und lasst die vorweihnachtlichen Klänge eure
Wohnungen erfüllen. Und neben den Klängen dürfen
auch die Gerüche weihnachtlichen Gebäcks durch die
Flure ziehen. Beginnt, und versucht vor allem, eine
adventliche Haltung einzunehmen, die sich an euren
Gesichtern ablesen lässt – wir gehen auf Weihnachten
zu, auf das Geburtsfest unseres Herrn, der gekommen
ist, von seinem göttlichen Thron, um uns beizustehen...
Werdet Boten der Hoffnung, der Zuversicht, und des
Vertrauens in Gottes Zusage.
„Jerusalem, Volk Gottes, leg dein Gewand der Trauer
ab, bekleide dich mit dem Schmuck der Herrlichkeit“.
Amen.