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Die Katholische Pfarrei St. Mathilde Quedlinburg

Anregungen und Ideen

Einleitung zum 4. Adventssonntag 2021

von Beate Degenhardt

Predigt zum 4. Advent 2021

von Pfarrer Winfried Runge

Liebe Schwestern und Brüder,

heute, am 4. Adventssonntag steht Maria im Mittelpunkt der sonntäglichen Betrachtung: Sie zeigt, wie es geht, dem Sohn Gottes Wohnung zu geben, seine Türen für ihn zu öffnen. Wir singen diese schlichte Glaubenswahrheit in dem bekannten Lied von Peter Janssens
„Ohr, das den Ruf vernahm“ mit den Worten:
„Haus, das den Sohn umfing, Tür, durch die Gnade ging...“

Natürlich ist die Position Marias zunächst radikal von der unsrigen unterschieden: Sie ist Mutter eines werdenden und heranwachsenden Kindes – wir dagegen empfangen Jesus als Herrn unseres Lebens. Unsere Aufgabe ist nicht, fürsorgliche Liebe für ihn zu entwickeln sondern die Bereitschaft zur Nachfolge.

Stalingradmadonna

Aber, bleiben wir zunächst bei dem Bild, das uns Weihnachten vermittelt und das wir für diesen Sonntag ausgewählt haben. Es ist eine ganz außergewöhnliche Darstellung der Gottesmutter, bekannt unter dem Namen „Stalingradmadonna“. Ich habe sie das erste mal bewusst wahrgenommen bei einem Besuch der Kriegsgräberstätte Rossoschka, nahe dem heutigen Wolgograd unter Führung von Bischof Klemens Pickel. An diesem Ort, dem damaligen Stalingrader Kessel haben 1942 160.000 deutsche Soldaten ihr Leben gelassen. 61.000 von ihnen hat man bis heute gefunden und deren Namen dort verewigt. Die Kämpfe um Stalingrad bedeuteten unendliches Leid auf beiden Seiten, bei Soldaten und Zivilisten. Die katholische Kirche von Wolgograd erinnert mit einer Nachbildung der Madonna an diese Zeit, das Original hängt heute in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin.

Gemalt hat das Bild der Lazarett-Oberarzt und evangelischen Pastor Kurt Reuber auf die Rückseite einer russischen Landkarte für den Weihnachtsgottesdienst mit den Soldaten, eine Holzkohlezeichnung, 80x105. Er selber schreibt dazu in einem Brief an seine

Frau:
„Das Bild ist so: Kind und Mutterkopf zueinandergeneigt, von einem großen Tuch umschlossen, Geborgenheit und Umschließung von Mutter und Kind. Mir kamen die johanneischen Worte: Licht, Leben, Liebe. Was soll ich dazu noch sagen? Wenn man unsere Lage bedenkt, in der Dunkelheit, Tod und Hass umgehen - und unsere Sehnsucht nach Licht, Leben, Liebe, die so unendlich groß ist in jedem von uns!“ Sehnsucht nach Licht, nach Leben, nach Liebe – dies möchte er bei sich einlassen, dem möchte er die Tür öffnen und Dunkelheit und Hass draußen halten. Man kann es dem Maler nachempfinden. Und möglicherweise wurde diese Sehnsucht für einen kurzen Moment erfüllt, in der Feier des Weihnachtsgottesdienstes, im Singen der vertrauten Weihnachtslieder zur Begrüßung des göttlichen Kindes, bei denen die Gedanken nach Hause gingen, in die Heimat, zur Familie. Ähnliches schreibt Dittrich Bonhöffer kurz vor seiner Hinrichtung, fühlt er sich doch trotz bevorstehendem Tod „Von guten Mächten wunderbar geborgen.“

Immerhin – es gab zu dieser Zeit in Stalingrad noch Hoffnung, dass sich das Blatt vielleicht wenden möge oder dass man dieser Situation wenigstens lebend entkommt.

Dieses Bild erinnert mich auch an ein Foto aus dem Jahr 2015 – eine geflüchtete Mutter aus dem Irak, die mit ihrem Kind Schutz vor der Kälte sucht, eingehüllt in eine Rettungsdecke. Bilder, die sich bis in unsere Tage wiederholen, zuletzt an der weißrussisch-polnischen Grenze.
Eine Mutter hält ihr Kind fest im Arm, schenkt ihm Sicherheit und Geborgenheit – vielleicht hält sie sich aber auch fest an dem Kind und lässt sich von ihm beschenken – von seinem grenzenlosen Ur-Vertrauen in das Leben und in seine Mutter, während draußen nach wie vor Dunkelheit, hass und Tod umgehen.
Im Glauben mag es uns ähnlich gehen. Wer das Bild der Madonna betrachtet fühlt sich geborgen bei dem, der um unsretwillen herabgestiegen und Mensch geworden ist. Mir kommt dabei Teresa von Avila in den Sinn: Wer Gott hat, der hat alles. Gott allein genügt. Das Bild lädt ein zum Verweilen bei ihm, zum Ruhen in Gott.

Der bekannte ehemals protestantische Mystiker Angelus Silesius sagt: „Und wäre Christus tausendmal in Bethlehem geboren, und nicht in dir: Du bliebest doch in alle Ewigkeit verloren.“ Damit mag in erster Linie gemeint sein, was Paulus so ausdrückt: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir.“ Gott soll geboren werden, in mir, in meinem Lebenshaus. Ihn möchte ich einlassen. Aber es geht nicht nur darum – wie das Bild der Stalingradmadonna vielleicht suggeriert – Christus für sich zu haben, sich an ihm zu wärmen, ihn in die Arme einzuschließen um selbst etwas Geborgenheit in diesem Kind zu finden-

Maria hat uns das göttliche Kind geschenkt – der gesamten Menschheit. Sie hat ihn – wie man so schön sagt – zur Welt gebracht.
Sie hat ihn nicht bei sich behalten, nicht für sich vereinnahmt sondern geschenkt, hingegeben, auf ihn gezeigt.
Verfallen wir nicht dem Irrtum, dass es beim Glauben nur darum geht, Gott oder Jesus im Herzen zu tragen.
Die Tür, durch die er bei mir einging, diese sollte zumindest all jenen offenstehen, die nach ihm suchen und nach ihm fragen.

Amen.