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Die Katholische Pfarrei St. Mathilde Quedlinburg

Anregungen und Ideen

Weihnachtspredigt 2021

von Pfarrer Winfried Runge

Liebe Schwestern und Brüder,

im Advent hatten wir an den vier Sonntagen jeweils ein Bild vor Augen: ein Haus, das sich im Laufe der Wochen verändert hat und in dem, bzw. mit dem etwas passiert ist. Man konnte dabei zuerst an das Haus denken, in dem wir als Familien oder allein leben und in dem wir uns auf Weihnach-ten vorbereitet haben – vermutlich steht inzwischen in jedem Haus ein Weihnachtsbaum, eine Weihnachtskrippe mit ganz viel Lichterschmuck...

Man konnte aber auch an das gemeinschaftliche Haus denken – das Haus Europa, an ein Volk, wie das Haus Israel oder an die Gemeinschaft der Gläubigen. Sagt doch der Apostel Paulus im Epheserbrief: „Durch Christus Jesus werdet auch ihr zu einer Wohnung Gottes im Geist auferbaut.“

Und auch jeder einzelne von uns ist schließlich Tempel, also Wohnhaus des Hl. Geistes: „Wenn jemand mich liebt, sagt Jesus, wird er mein Wort halten; mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm Wohnung nehmen...

Dieses Wohnung nehmen bei und unter und in den Menschen hat begonnen mit dem Ereignis, das wir zu Weihnachten feiern – Gott nahm Wohnung in Maria – und als die Zeit kam, das sie gebären sollte, da suchte Gott eine Wohnung, eine Herberge für die heilige Familie – aber es war kein Platz, außer in einem Stall mit einer Futterkrippe – der Evangelist Matthäus spricht später von einem Haus im Zusammenhang mit dem Besuch der drei Weisen aus dem Morgenland – vielleicht war doch noch ein Zimmer frei geworden – wie dem auch sei. Es war jedenfalls kein Palast, der ihn erwartete – es war überhaupt keiner da, der ihn erwartete. Johannes formuliert dies in seinem Evangelium mit den Worten: Er, der Logos, der Schöpfer von allem, er kam in sein Eigentum, aber die seinen nahmen ihn nicht auf. Hier wird literarisch nachgeholt und vorangestellt, was die spätere Erfahrung Jesu in der Begegnung mit seinem Volk nur zu oft sein wird: Kein Platz! Kein Interesse! Kein Bedarf!

Am Dienstag, den 14.12. fand das erste digitale Hearing zur Weltsynode mit unserem Bischof statt. 50 Interessenten aus unserem Bistum hatten sich in die Runde eingecheckt. Und es ging in dem einstündigen Gespräch um die Frage, wovon wir als Kirche Zeugnis geben sollen, wenn wir gefragt werden – und davor stellte der Bischof die Frage: Werden wir denn überhaupt gefragt? Und dann kamen da so einige Vorschläge, was wir tun müssten, damit wir gefragt werden. All diese guten Überlegungen gingen aber davon aus, dass es nur an uns liegt – wir müssen es nur richtig anstellen, dann kommen die Leute schon, quasi von allein...

Er kam in sein Eigentum, aber die seinen nahmen ihn nicht auf. Wenn es Jesus schon so ging, wenn es Gott schon so geht – warum sollte es bei uns besser laufen?

Heißt das aber nun für uns aufgeben und nichts tun

Wohl nicht.

Mit Jesus beginnt ein Ringen Gottes um den Menschen, das andauert bis heute, ein Werben, wie um eine Braut, um deren Aufmerksamkeit, um deren Liebe. Gott bemüht sich um den Menschen. Ist das nicht verrückt? Aber genau das meint das Geheimnis der Inkarnation, der Menschwerdung, der Erniedrigung und des Abstieges in unser Fleisch...

Und welche Botschaften hat er, mit denen er um uns Menschen wirbt?

1. Fürchtet euch nicht!

Begegnung mit Gott, Begegnung mit den Engeln – das sind Erfahrungen, die den Menschen in einer, bis dahin nie gekannten, existentiellen Erschütterung treffen. Diese Begegnung mit dem Unbekannten löst Furcht aus. Das kennen wir aus den vergangenen zwei Jahren ja auch - im übertragenen Sinne – ein neuer, unbekannter Erreger löst bei vielen Angst aus – vom einfachen Mann bis hin zum Papst – die Bilder aus Bergamo von zahllosen Särgen an Corona Verstorbener bleiben im kollektiven Gedächtnis und werden immer wieder aufgerufen. Auch wenn wir inzwischen doch schon viel mehr wissen, wird doch immer noch mit der Angst operiert. Es gibt eine interessante Geschichte dazu:

Der Tod sitzt vor der Stadtmauer und wartet. Ein Gelehrter kommt vorbei, setzt sich zu ihm und fragt: "Was tust du hier?" Der Tod antwortet: "Ich geh jetzt in die Stadt und hole mir 100 Menschen." Der Gelehrte rennt in die Stadt und ruft aufgeregt: "Der Tod wird kommen und 100 Menschen mitnehmen!" Daraufhin rennen alle Menschen panisch in ihre Häuser und sperren sich über viele Wochen ein, 5000 Menschen sterben. Als der Gelehrte die Stadt verlässt, sitzt der Tod immer noch dort und der Gelehrte sagt zornig: "Du wolltest 100 Menschen holen, es waren aber 5000!" Der Tod antwortete: "Ich habe 100 geholt, Kranke und Alte, wie jede Woche. Den Rest hat die Angst geholt, für die du verantwortlich bist!"

„Fürchtet euch nicht“ – so spricht der Engel zu den Hirten. Und diese Botschaft brauchen wir heute mehr denn je. Wenn mich jemand ansprechen würde: Hast Du keine Angst? Dann müsste ich ehrlicherweise sagen: Nein. Habe ich nicht. Jedenfalls solange nicht, solange ich meinen 5 Sinnen traue, meiner Erfahrung traue, meinem Glauben traue. Ich sage nicht, dass es nicht eine statistische Wahrscheinlichkeit gibt, dass es auch mich hinwegraffen könnte. Ich halte mich nicht für unverletzlich oder unsterblich. Aber, ich habe keine Angst – weil – egal, was kommt, ich dieser Weihnachtsbotschaft traue und sie nicht am 27. Dezember in die Kiste mit den Weihnachtsdekorationen packe. Und natürlich traue ich dieser Botschaft der Engel, weil sie nicht nur eine Weihnachtsbotschaft ist, sondern weil die gleichen Worte der Engel am leeren Grab Jesu sprechen wird: „Fürchtet euch nicht, ich habe den Tod besiegt.“ Jesus selbst spricht solche Worte, um unser Vertrauen in die Macht seines Vaters im Himmel zu stärken, in dessen Hand unser Leben liegt: „Fürchtet euch nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen!“ Das zweite Wort ist: „Siehe, ich verkünde euch eine große Freude! Heute ist euch der Retter geboren; Christus, der Herr.“ Das mit der Freude zieht sich durch das ganze Leben Jesu – die Bücher, die man seinem Leben widmen wird, nennt man Evangelien – Kunde von der frohen Botschaft. Alles, was der Glaube uns sagt, alles was Gott uns sagen möchte ist etwas, was uns froh machen soll. Es geht nicht zuerst um Gehorsam oder Anweisungen, Gesetze oder Vorschriften, nach denen wir unser Leben ausrichten sollen, sondern Gott möchte, dass wir die Freude (wieder)finden – die Freude am Leben, an der Schöpfung, an ihm, unserem Gott!

Die dritte Botschaft ist: „Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.“ Was für ein Zeichen!

Bis heute wird die Windel Jesu in Aachen aufbewahrt und verehrt. Wozu? Ganz einfach – zusammen mit dem Gewand Mariens wird deutlich, diese Kleidung deutet hin auf ein bescheidenes, durchschnittliches Leben. Jesus gehört nicht zur Oberschicht zur „upper class“, er wird dort geboren und wächst dort auf, wo ihm jeder auf Augenhöhe begegnen kann. Gott wählt die Einfachheit des Lebens mit all ihren Herausforderungen. Bis heute erinnern die Loreto-Heiligtümer, Nachbildungen des Hauses Jesu aus Nazareth, an dieses einfache Leben, mit dem Gott einem jeden Menschen sagen möchte: ich bin bei Dir! Ich bin an deiner Seite! Für mich gibt es keine Menschen zweiter Klasse. Ich gehe nicht nur zu den Privilegierten – ich bin bei Armen und Reichen, bei Gesunden und Kranken, Bei Mehrheiten und Minderheiten, bei Geimpften und Ungeimpften, bei Rechthabern und Suchenden, bei Großen und Kleinen. Für einen jeden Menschen bin ich Mensch geworden, ohne Unterschied. Und ich möchte, dass Du erkennst, zu welchem Reichtum und welcher Würde du geschaffen und berufen bist.

Amen.